Höfle

Wo die Teufel ihr Unwesen treiben -
Im Todtmooser Ortsteil Höfle spielt die Narrenclique eine wichtige Rolle / 1627 im Todtmooser Pilgerbuch erstmals erwähnt.

Kaum hat man Todtmoos Richtung Norden auf der Straße nach Freiburg oder zu Fuß am Schwimmbad entlang verlassen, erreicht man auch schon die ersten Häuser von Höfle. Sie liegen in einer ebenen Talsohle, von der im Westen und Osten steile Wände aufsteigen.

Durchströmt wird sie vom Rüttebach, der nach dem dreistufigen Wasserfall weiter hinten am Ende des Tals nun gemächlicher dahinfließt. Mitten in Höfle vereinigt er sich dann mit dem die Rabenschlucht herabstürzenden Sägebach – früher auch Silberbach genannt –, der wiederum als Weissenbach vom Hochkopf, dem höchsten Todtmooser Berg, herunterkommt.

Bereits in einem Todtmooser Pilgerbuch von Placidus Rauber aus dem Jahr 1627 wird der Silberbach und ein nach ihm benanntes Haus erwähnt, was vermutlich der älteste Hinweis auf die Entstehungsgeschichte des Ortsteils und vielleicht auch des Ortsnamens ist. Der flache Talgrund mit seiner Nähe zum Hauptort lud zum Besiedeln ein, und es entstanden schon vor mehr als 300 Jahren eindruckvolle alte Höfe. Zu ihnen gesellten sich in den letzten Jahrzehnten mehrere neuere Gebäude, so dass der Ortsteil heute im Ganzen 16 Häuser aufweist.

Auch ein Gasthaus am Fuß der Rabenschlucht gab es seit 1962. Vorher beherbergte das Gebäude eine kleine Holzwarenfabrik, in der Wäscheklammern und Kochlöffel produziert wurden. Nach Um- und Anbau wurde die Wirtschaft, weithin bekannt als Schnitzelstube, anfangs mit gutem Erfolg betrieben.

Ganze Busladungen brachten Gäste, die in den umliegenden Häusern in "Fremdenzimmern" untergebracht wurden; ein willkommener Nebenverdienst. Häufige Besitzerwechsel taten dem Haus nicht gut, und so wurde die anfangs florierende Gaststätte Mitte der 80-er Jahre schließlich geschlossen.

Direkt oberhalb der Schlucht wurde 1913 der Sägebach gestaut und zur Energiegewinnung und zum Antrieb für ein Sägewerk ins 42 Meter tiefere Tal geleitet. Nach Kauf des Betriebs 1992 erneuerte Ernst Maier die komplette Anlage und erzeugt damit heute Strom für 50 Haushalte. Im erweiterten Gebäude befindet sich die Möbelschreinerei seines Sohnes Jürgen. Wo eine Schlucht ist, da ist das Unheimliche, ja sogar das Böse, nicht sehr weit.
Badische Zeitung, 24. November 2018

Höfler richten die Rabenschlucht her
In den 1980er-Jahren leisten Freiwillige mehrere hundert Stunden Arbeit, um Schließung zu verhindern.

Direkt am Eingang der Rabenschlucht, früher auch Raben- oder Rappenloch genannt, stößt man auf den alten und häufig fotografierten Hof von Karl und Ursula Schmidt. Davor steht ein Modell eines Schwarzwaldhofes, vom Hausherrn errichtet, dessen Ausführung und Detailgetreue schon den Tüftler und versierten Handwerker verraten. Im Gespräch mit dem gelernten Maurer erfährt man:

"Jeder Ortsteil hat sein Eigenes. Im Höfle ist es der gute Zusammenhalt. Wenn ich Helfer brauche, muss ich nur herumgehen und fragen, dann sind alle da. Kürzlich musste ich einen Haufen Kies bewegen, da standen am nächsten Morgen acht Mann mit Schubkarren da. Wir sind eine richtig gute Gemeinschaft. Jeder kann sich auf den anderen verlassen." Nebenher erzählt er, dass die Höfler schon viel bewegt haben. Das Kreuz auf der Stricker Höhe haben sie zusammen wieder in Schuss gebracht und sicher aufgestellt. Auch die Erneuerung der vier, heute auf soliden Fundamenten ruhenden Brücken und der befestigte Wanderweg in der Rabenschlucht sind ihr Werk. Die Gemeinde wollte die idyllische Schlucht wegen des maroden Zustands in den 80er Jahren aus Sicherheitsgründen schließen. Karl Schmidt aber dachte sich: "Wir im Höfle sind doch alles erfahrene Handwerker, das richten wir wieder her." Er scharte einen Trupp von freiwilligen Nachbarn um sich und erbat lediglich die Materialkosten. Mehrere hundert Stunden ehrenamtlicher Arbeit leisteten die Helfern. Die Gemeinde sparte durch ihren Einsatz rund 15 000 Mark und spendierte ihren fleißigen Helfern zum Dank ein Brückenfest, das im November 1987 in der Garage der Schmidts gefeiert wurde und einen besonderen Abschluss in einer mitternächtlichen Fackelwanderung durch die Schlucht fand. Überhaupt haben die legendären Garagenfeste in Höfle Tradition, und der Erlös daraus wird uneigennützig für gute Zwecke spendiert.

Bis heute sind Wege und Brücken unter dem aufmerksamen Auge des mittlerweile 79-jährigen "Herrn der Schlucht" stets tipptopp in Schuss, was für die Gemeinde von großem Wert ist. Denn seit Einrichtung des Lebküchlerwegs, einem zertifizierten Premium-Wanderweg, wird diese Route noch viel häufiger begangen. Im Herbst zeugen frische Ausbesserungen an den Brücken von seinem stillen Wirken.
Badische Zeitung, 24. November 2018


"Viel Arbeit für uns"
- Narrenpräsidentin Gudrun Wasmer über die kommende Session.

BZ: Wie hat denn alles angefangen mit Ihnen und den Rabenschluchtteufeln?

Wasmer: Schon als Kind war ich mit Begeisterung bei den "Wasserfallnarren" dabei. Wir waren ein wilder Haufen aus Rütte, Hintertodtmoos und Höfle und dachten uns jedes Jahr zur Fasnacht ein anderes Motto aus. Mit der Zeit wurde es zu aufwändig, immer neue Ideen zu entwickeln und Kostüme zu nähen, und so wurden 1988 die "Rabenschluchtteufel" gegründet mit eigenem Häs und Holzmasken. 1992 erfolgte dann der Beitritt zur Todtmooser Narrenzunft.

BZ: Inzwischen sind Sie Präsidentin der Narrenzunft, die 2019 das Narrentreffen der "Vereinigung Hochrheinischer Narrenzünfte" in Todtmoos ausrichtet.

Wasmer: Ja, da kommt viel Arbeit auf uns zu. Allein die Genehmigungen für den Umzug sind schon ein ganzer Papierstapel. Dazu kommen ja noch die anderen Ortstermine von der Proklamation bis zur Fasnachtsverbrennung und die Teilnahme an Umzügen in der Umgebung. Außerdem sind wir eine große Zunft mit sechs Gruppierungen: Guggenmusik, Lebküchler, Hochkopfgeister, Moosgumper, Rabenschluchtteufel und Tanzgarde, da ist einiges zu tun. Da bin ich dem Organisationsteam und der Narrenzunft sehr dankbar für die gute Mithilfe.

BZ: Wie sieht es denn mit Nachwuchs aus?

Wasmer: Interessenten sind uns jeder Zeit herzlich willkommen!
Badische Zeitung, 24. November 2018