Mättle

Wo alle Häuser am Sonnenweg liegen
Der Todtmooser Ortsteil Mättle wuchs Anfang der 1980er-Jahre durch den Neubau von Ferienwohnungen beträchtlich.

Auf einer Höhe von 945 Metern und damit 100 Meter über dem Hauptort liegt der Todtmooser Ortsteil Mättle. Lange Zeit gehörten lediglich fünf Häuser zu dem kleinen Weiler. Der Name des kleinen Ortsteils erklärt sich von selbst, bedeutet Mättle doch "Kleine Wiese". Der Name ist auf die vielen Flurstücke zurückzuführen. Das ältestes Haus des Ortes wurde um 1750 erbaut. Bis 1933/34 gehörte Mättle zur Stabhalterei Todtmoos-Weg und wurde dann mit dem Gesamtort vereinigt.

1947 kam der Neubau des Holzschnitzers Paul Mutter hinzu, gut erkennbar, denn ein geschnitzter Baumstamm steht davor. Im Geburtsjahr von Umbert Müller, der 1950 auf die Welt kam, lebten in Mättle 28 Menschen, erzählt der heute älteste Einwohner des Ortsteils. Noch bis nach dem Zweiten Weltkrieg wurde in allen Anwesen Landwirtschaft betrieben, in den Wintermonaten Schindeln, Wäscheklammern, Kochlöffel hergestellt, wie überall im Schwarzwald üblich. Die Schüler besuchten die Schule in Todtmoos-Weg, die sie zu Fuß erreichten.

Bis 1994 war das Gasthaus Kreuz ( später Kindererholungsheim und heute Caritasheim) ein Zwischenhalt für die Kirchgänger aus Lehen und Weg auf dem Rückweg von der Wallfahrtskirche. Da konnte es schon mal passieren, dass einer der Gäste auf der Ofenbank einschlief. Und einem soll gar die Ehefrau ein Mittagessen gebracht haben mit den Worten "Nicht dass Du noch verhungerst", erzählt Umbert Müller schmunzelnd.

Ein Ärgernis war für die Mättler die Zusammenlegung der Todtmooser Müllplätze oberhalb des Bergwerkes. Über Jahre hinweg litten sie unter den Geruchsbelästigungen. Mit der Idylle und Abgeschiedenheit von Mättle war es Anfang der 1980er-Jahre durch die Neubausiedlung vorbei. Es entstanden acht neue Häuser mit überwiegend Ferienwohnungen, was aber für die Mättler nichts änderte: "Wir fühlen und sind Mättler – und das bleiben wir", sagte Müller. Der Zusammenhalt im Ort sei immer gut gewesen, was bis zum heutigen Tage so geblieben sei, fährt er fort. Auch das Verhältnis zu den Neubürgern sei sehr gut und nachbarschaftlich. Wenn jemand Hilfe benötige, sei unter den Bewohner von Mättle immer jemand – oder alle – ansprechbar und dann auch da. Die Mättlehäuser liegen alle am Sonnenweg, einer Verlängerung der Forsthausstraße. Der Sonnenweg mache seinem Namen alle Ehre, sagte Müller, hinter dessen Haus die Ortsteilgrenze verläuft.
Badische Zeitung, 19. Januar 2019


Tief unten auf der Suche nach Reichtum
Bergbau im Mättle hat eine bewegte Geschichte hinter sich, die noch heute zu bestaunen ist. 

Von Hoffnung und Enttäuschung erzählt die Geschichte des Bergbaus in Todtmoos von 1798 bis 1937. Einst wurden in dem Bergwerk "Hoffnungsstollen" im Mättle Erze gefördert. Heute ist der "Hoffnungsstollen" ein Schaubergwerk. 1798 entdeckten Johann Trötschler und Landwirt Peter Köpfer auf ihren Wiesen Erze. Da sie die nicht selbst verwenden konnten, wollten sie die Fundstelle an die Vitriolhütte in Todtmoos-Berghütte verkaufen. Die österreichische Regierung ließ den Verkauf nicht zu. Die Fundstelle wurde an die Vitriolhütte verpachtet. Zunächst im Tagebau, später im Stollenvorbau, wurden Magnetkieserze gefördert, die zu Vitriol verarbeitet und zur Herstellung von Alaun, Ledergerbemitteln, Tinte und Unkrautvernichtungsmitteln verarbeitet wurden. 1833 schloss die Hütte.

Aber das war nicht das Ende des Bergbaus. 1829 hatte Friedrich August Walcher bei einer Untersuchung der Umgebung von Todtmoos Nickel entdeckt. Er beantragte die Schürfrechte, hatte aber kein Geld und fand auch keinen Teilhaber. In den folgenden Jahrzehnten wechselte das Bergwerk häufig den Besitzer, die Grube wurde vergrößert. Um 1880 gab es mehrere Stollen mit einer Gesamtlänge von 70 Metern und einem sechs Meter tiefen Schacht. Eine Wende deutet sich 1934 an, als Untersuchungen magnetische Felder zeigten, die auf Nickelerze hindeuteten. Unterhalb des Stollens wurde ein Tiefstollen angelegt, der sogenannte "Hoffnungsstollen". Fast 360 Meter Stollen und 32 Schächte wurden gegraben – umsonst. Die Grube wurde 1937 geschlossen. 1988 wurde auf Initiative von Karl-Heinz Tartsch damit begonnen, den Hoffnungsstollen in ein Schaubergwerk zu verwandeln. Zwölf Jahre waren ehrenamtliche Helfer an der Arbeit, das Schaubergwerk wurde am 16. Juni 2000 eröffnet. Einer der Aktiven ist Josef Kaiser. Als es galt, einen 24 Meter tiefen, mit Müll gefüllten Schacht zu leeren, kam es zum Wassereinbruch. Alle konnten sich retten. Heute werden jährlich zwischen 4000 und 5000 Besucher gezählt, sagte Ludwig Müller, der das auch für Kinder und Behinderte leicht zugängliche Schaubergwerk seit Jahren betreut.
Badische Zeitung, 19. Januar 2019




Da lagen die Nerven blank -
Frieder Maier über den Bau der Bergwachtstation im Mättle. 

BZ: Herr Maier, Sie waren 28 Jahre lang Vorsitzender der Todtmooser Bergwacht. Unter Ihrer Ägide wurde die Rettungswache in Mättle gebaut und 2003 eingeweiht. Wo hatte die Bergwacht vorher ihren Standort?

Maier: In einem Raum in meinem Schreinerbetrieb. Der Skidoo, damals unser einziges Fahrzeug, war in einer Garage in meiner Schreinerei untergebracht. Bei Einsätzen musste er auf einen Anhänger geladen werden.

BZ: Was sprach für Mättle als Standort der Rettungswache?

Maier: Von Mättle aus sind die Loipen, aber auch die damals noch in Betrieb befindlichen Skilifte in Strick, Weg und am Hochkopf mit dem Skidoo zu erreichen. Und das Sommerwandergebiet lässt sich von Mättle aus ebenfalls gut betreuen.

BZ: Wie lange dauerte es von der Planung bis zur Einweihung?

Maier: Planungs-, Genehmigungs- und Zuschussverfahren zogen sich über zehn Jahr hin, die Bauzeit betrug dann noch einmal drei Jahre.

BZ: Haben Sie selbst Hand angelegt?

Maier: Oh ja, rund 6000 Stunden an Eigenleistungen stecken in der Rettungswache, 30 Kameraden packten mit an. Wir waren am Wochenende und an Abenden unter der Woche beschäftigt. Das ging an die Substanz, zum Schluss lagen die Nerven blank. Aber es hat sich gelohnt, die Fertigstellung ist ein Höhepunkt in der Geschichte der Ortsgruppe.
Badische Zeitung, 19. Januar 2019